Urlaub trotz Corona: Camping-Expertin Isa Speckmann im Interview

9. Juni 2020 – Aktuelles, Tipps & Tricks – 5 Min. Lesezeit

Bloggerin und Camping-Autorin Isabel Speckmann von IsasWomo sollte eigentlich gerade mit dem WEINSBERG CaraCompact EDITION [PEPPER] in Spanien sein. Wegen Corona kam alles ganz anders, genau wie wir alle musste Isa ihre Reisepläne komplett streichen. Seit kurzem darf sie wenigstens wieder in Deutschland ihrer Leidenschaft und Berufung nachgehen. Für den CaraBlog schildert sie uns ihre Eindrücke von ihren ersten Wochen im "Mister Pepper" seit dem Lockdown.

WEINSBERG: Liebe Isa, als Camping-Bloggerin bist du ja sehr von den Corona-Maßnahmen betroffen. Wie erging es dir in den letzten Wochen?

Isa Speckmann: Ja, die vergangenen Wochen und Monate waren natürlich nicht ganz einfach für mich. Ich war schon fast auf dem Weg nach Spanien, als Corona sich in Europa immer weiter ausgebreitet hat. Darum habe ich die große Tour, mit allen vereinbarten Terminen, kurzfristig gestrichen und bin aus Sicherheitsgründen in Deutschland geblieben.

Aber auch meine Deutschland-Tour musste ich dann im Februar/März abbrechen, da mein Campingplatz in Schleswig-Holstein schließen musste. Seitdem steht der CaraCompact EDITION [PEPPER] leider vor meiner Tür. Da „Mister Pepper“ für mich ja nicht nur Freizeitgefährt ist, weil ich durch das Bloggen meine Brötchen verdiene, war das natürlich eine ganz „bescheidene“ Zeit. Darum bin ich jetzt schon wirklich froh, dass ich, bzw. wir alle, wieder unterwegs sein dürfen.

Für viele Menschen ist der Urlaub in diesem Jahr ausgefallen. Als Camper kann man aber jetzt schon wieder verreisen. Was macht Camping gerade jetzt zur richtigen Reiseform?

Eine Reisemobil- oder Caravan-Tour ist natürlich IMMER die richtige Reiseform! Aber aktuell hat Camping definitiv einige zusätzliche Vorteile: Man hat sein „rollendes Zuhause“ immer dabei. Im Gegensatz zum Hotelurlaub gibt es im Wohnmobil oder Caravan eben kein Zimmermädchen, das im schlechtesten Fall ein Virus von Zimmer zu Zimmer trägt, es gibt keine Maßnahmen, wer wann wo essen darf, keine Einschränkungen am Buffet und so weiter. Beim Campen ist es relativ leicht, einen schönen Urlaub zu verbringen, ohne dass Abstandsregelungen und Sicherheitskonzepte ständig in den wohlverdienten Urlaub eingreifen. Unabhängig davon ist es natürlich fantastisch, dass man kurzfristig sagen kann, hier ist das Wetter aktuell nicht so toll, darum starten wir den Motor und fahren kurzfristig woanders hin. Mit einem Reisemobil oder Wohnwagen hat man eben diese wunderbare Freiheit, kurzfristig zu entscheiden, worauf man gerade Lust hat. Da ist die Reisen selbst oft schon das schönste Ziel.

Wie sind deine Erfahrungen mit den Vorschriften auf Campingplätzen und Stellplätzen?

Es ist gerade noch sehr schwierig, etwas Generelles zu den Vorschriften zu sagen. Jeder Platz hat gefühlt seine eigenen Richtlinien. Ich bin ja aktuell schon in NRW unterwegs und habe in dieser Zeit schon alles erlebt. Campingplätze die ganz strenge Regelungen getroffen haben, die also maximal 50% der Plätze nutzen, auf denen Sanitäranlagen komplett gesperrt sind und die wirklich nur neue Gäste aufnehmen, die mindestens einige Tage vorher reserviert haben. Dann stand ich auch schon auf großen Stellplätzen, die sämtliche Plätze belegt haben und auf denen das Sanitärgebäude bereits geöffnet ist. Momentan ist es also noch sehr kompliziert und im Grunde kann man nur vorab versuchen, den Stellplatz/ Campingplatz-Betreiber zu erreichen und den zu fragen, wie er die Situation handhabt.

Du bist ja in den letzten Wochen schon wieder viel unterwegs gewesen. Wie ist Stimmung unter den Campern? Anders als vor Corona?

Also, rein auf Corona bezogen, habe ich keine besonders vorsichtigen oder nervösen Camper erlebt. Die die mir momentan so begegnet sind, haben einfach riesige Lust wieder unterwegs zu sein und genießen die Zeit. Aber ich bemerke schon, dass bei einigen Campern auf ein bisschen mehr Abstand geachtet wird. Und dann gibt es auch wieder solche, die sich so verhalten, als hätte es niemals ein Virus gegeben. Anders sieht die Stimmung aus, wenn es um freie Plätze auf Camping- und Stellplätzen geht.

Weil es gerade kaum mehr freie Plätze gibt?

Sagen wir mal so: Die vielen Camper, die aktuell schon unterwegs sind, führen an vielen Orten immer mehr zu Problemen und das ist auch auf den Plätzen deutlich spürbar. Ich selbst wollte die vergangenen Tage eigentlich kurzfristig mit einer guten Freundin und ihrem Freund verbringen. Wir haben insgesamt bei über 40 Plätzen angefragt und nur Absagen bekommen, weil alle Plätze bereits voll sind. Der Campingboom hat ja bereits in den letzten Jahren zu immer volleren Plätzen geführt. Momentan müssen wir aber alle noch im eigenen Land bleiben. Und selbst wenn die Grenzen wieder offen sind, möchten viele erstmal in Deutschland bleiben. Das führt leider dazu, dass es an ganz vielen Orten extrem voll ist und das gilt mittlerweile nicht mehr nur für die absoluten Hotspots, sondern auch für bislang eher unbekanntere Reiseziele. Wir benötigen deutlich mehr neue Stell- und Campingplätze, wenn wir alle auch in den kommenden Jahren von dieser wunderschönen Reiseform profitieren wollen.

Als erfahrene Profi-Camperin kannst du uns doch bestimmt ein paar wertvolle Tipps geben, wie es in diesem Jahr trotzdem noch klappen könnte – und wie wir uns unterwegs am besten verhalten sollten?

1. Tipp: Mein erster Tipp und ein wirklich dringendes Anliegen an alle Camper, vor allem aber an die Camping-Anfänger, ist: Informiert euch vor der Reise über die Gepflogenheiten vor Ort und beim Camping allgemein. Ich nenne es mal „Camping Knigge“. Gerade in dieser Saison können wir alle nur von dieser Reiseform profitieren, wenn wir uns selber ein Stückchen in den Hintergrund stellen. Wenn die Stell- und Campingplätze voll sind und die Parkplätze zum wild übernachten immer häufiger gesperrt werden, dann ist von der wunderbaren Freiheit nicht mehr viel zu spüren.

2. Tipp: Versucht deshalb schon, frühzeitig zu reservieren. Gerade wer mit Kindern reist und einen halbwegs netten Campingplatz an einem spannenden Ort sucht, der sollte das unbedingt schnellstmöglich machen. Allerdings sind sehr viele größere Campingplätze bereits bis Ende August ausgebucht. Nichts desto trotz lohnt es sich, auch den 45. Platz anzufragen… vielleicht hat man ja doch noch Glück.

3. Tipp: Habt immer ausreichend Masken an Bord! Hier fällt mal eine Maske in den Dreck, bei uns Mädels sind die Masken schnell durch die Schminke dreckig oder es reißt ein Gummiband. Es lohnt sich also einige Masken an Bord zu haben, denn wir werden sie sicher immer mal wieder benötigen.

4. Tipp: Einen dieser kleinen, coolen Vans oder Bullis mieten? Eigentlich eine tolle Idee, aber gerade jetzt würde ich definitiv auf ein „richtiges“ Wohnmobil oder ein CUV umschwenken. Auf vielen Plätzen werden die Sanitärgebäude noch geschlossen bleiben und typischerweise sind in den kleinen Bullis keine Toiletten oder gar Duschen verbaut. Da lohnt es sich definitiv, komplett autark zu verreisen.

5. Tipp: Mitdenken, clever sein und auch beim Smalltalk mit den Nachbarn Abstand halten.

Was hast du in den kommenden Wochen und Monaten noch geplant?

Auch wenn ich aktuell große Lust hätte, meine geplante Tour durch Schleswig-Holstein weiter zu führen, werde ich erstmal den Hotspots aus dem Weg gehen. Soll also heißen, erstmal keine deutsche Küste, kein Bodensee, kein Chiemsee und so weiter. Wenn dann wirklich alles gut geht und die Grenzen langsam wieder öffnen, hoffe ich doch, dass ich vielleicht im Frühherbst nochmal ins Ausland fahren kann. Die große Spanien-Tour steht ja immer noch aus. Allerdings werde ich auf Grund meiner eigenen Gesundheit und auch weil meine Hundedame Milla so extrem alt ist, erst dann wieder ins Ausland reisen, wenn halbwegs sicher abzusehen ist, dass wir nicht plötzlich in irgendeiner Quarantäne-Zone fest sitzen.

Wir hoffen, dass das schon bald fest steht. Liebe Isa, vielen Dank für das spannende Interview, viel Spaß beim Reisen in Deutschland – und das Wichtigste: Bleib gesund!